
ADHS im Erwachsenenalter
– wenn der Kopf niemals stillsteht
Kurz erklärt:
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) im Erwachsenenalter hat viele Gesichter. Ein Kopf voller Gedanken, viel Energie, Kreativität, aber auch Vergesslichkeit, Impulsivität und Schwierigkeiten im Alltag.
Viele Menschen haben über Jahre gelernt, ihre Besonderheiten auszugleichen – oft mit großer Anstrengung.
Bis das Leben neue Herausforderungen mit sich bringt und die bisherigen Strategien nicht mehr ausreichen.
ADHS besser zu verstehen, kann entlasten und helfen, liebevoller mit sich selbst umzugehen und neue Wege zu finden, die zum eigenen Leben passen.
Du willst mehr zu ADHS Diagnostik im Erwachsenalter wissen und eine Begleitung für deine Themen, melde dich gern bei mir.
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ADHS im Erwachsenenalter – wenn der Kopf niemals stillsteht
Voller Energie, tausend Gedanken im Kopf und trotzdem das Gefühl, dass manche Dinge im Leben einfach nicht funktionieren.
Vielleicht kennst du das:
Du bist begeisterungsfähig, kreativ, spontan und hast ständig neue Ideen. Wenn dich etwas interessiert, kannst du dich stundenlang damit beschäftigen. Du redest gerne, denkst schnell und findest für vieles eine Lösung.
Und gleichzeitig gibt es Lebensbereiche, in denen du immer wieder an dieselben Grenzen stößt.
Du vergisst Dinge, obwohl sie dir wichtig sind. Du schiebst Aufgaben auf, obwohl du weißt, dass sie erledigt werden müssen. In Beziehungen wiederholen sich bestimmte Muster. Oder du brauchst unglaublich viele Listen, Erinnerungen und Strategien, damit dein Alltag funktioniert.
Vielleicht hast du schon oft gehört:
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„Du musst dich einfach besser organisieren.“
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„Du bist immer so sprunghaft.“
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„Kannst du nicht einmal still sitzen?“
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„Jetzt denk doch nicht so viel darüber nach.“
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„Du kannst doch so viel – warum machst du es dir so schwer?“
Und vielleicht fragst du dich schon lange:
Warum gelingen mir manche Dinge mühelos, während mich andere unglaublich viel Anstrengung kosten?
ADHS im Erwachsenenalter kann eine mögliche Erklärung sein.
ADHS bei Erwachsenen:
Viel mehr als der klassische Zappelphilipp
Wenn wir an ADHS denken, haben viele noch immer das Bild eines Kindes vor Augen, das nicht still sitzen kann, ständig herumläuft und im Unterricht auffällt oder sozial auffällig wird.
Doch dieses Bild ist viel zu einseitig.
ADHS ist eine neurodivergenz des Gehirns, das sich unter anderem auf Aufmerksamkeit, Impulssteuerung, Selbstorganisation und die Regulation von Aktivität und Gefühle auswirken kann.
Dabei ist Hyperaktivität nicht immer gleichbedeutend mit sichtbarer Bewegung.
Sie kann sich auch durch einen starken inneren Antrieb, Unruhe und einen ausgeprägten Rededrang zeigen.
Und das nicht erst im Erwachsenenalter.
Wenn der Kopf schon als Kind niemals stillstand
Manche Kinder mit ADHS fallen durch ihren Bewegungsdrang auf.
Andere sitzen vielleicht vergleichsweise ruhig auf ihrem Stuhl, während in ihrem Kopf unglaublich viel passiert.
Ein Gedanke jagt den nächsten.
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Es entstehen ständig neue Ideen, Fragen und Assoziationen.
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Die Aufmerksamkeit wandert von einem Thema zum anderen.
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Der Kopf scheint niemals wirklich Pause zu machen.
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Auch ein übermäßiger Rededrang kann bereits in der Kindheit auffallen.
Vielleicht warst du das Kind, das redete wie ein Wasserfall. Das zu allem eine Geschichte wusste.
Das anderen ins Wort fiel, weil der Gedanke unbedingt rausmusste. Das so viel erzählen wollte, dass andere kaum zu Wort kamen.
Und vielleicht hast du im Laufe des Erwachsenwerdens daraus sogar eine besondere Fähigkeit entwickelt.
Du bist unterhaltsam geworden. Ein großartiger Geschichtenerzähler. Jemand der gerne auf der Bühne steht, oder einen Job hat wo er präsentieren kann und darf.
Vielleicht bist du jemand, der Menschen zum Lachen bringt, spontane Einfälle hat und jede peinliche Situation in eine gute Geschichte verwandeln kann.
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Deine Vergesslichkeit? Eine lustige Anekdote.
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Dein nächstes Fettnäpfchen? Eine Geschichte, über die alle lachen.
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Deine chaotischen Missgeschicke? Inzwischen fast schon dein Markenzeichen.
Humor kann eine wunderbare Stärke sein. Manchmal ist er aber auch eine Strategie, um mit Schwierigkeiten umzugehen, die früher vielleicht unangenehm oder beschämend waren.
Das bedeutet nicht, dass jeder unterhaltsame oder gesprächige Mensch ADHS hat.
Aber es zeigt, wie unterschiedlich sich Verhaltensweisen entwickeln können, die ursprünglich als störend wahrgenommen wurden.
Ein sehr aktiver Gedankenfluss allein ist ebenfalls kein reiner Beweis für ADHS.
Entscheidend ist immer das gesamte Symptombild.
Über mich:
Hey, ich bin Daniela Seidel.
Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und beschäftige mich intensiv mit ADHS im Erwachsenenalter.
Warum mir dieses Thema so am Herzen liegt? Weil eine fundierte ADHS-Diagnose oft so viel mehr bedeutet als nur eine Erklärung für bestimmte Symptome.
Sie kann helfen, das eigene Anderssein endlich besser zu verstehen, mögliche Begleitbelastungen wie Ängste, Selbstzweifel oder depressive Verstimmungen zu erkennen und mit mehr Verständnis auf sich selbst zu schauen.
In meiner Praxis möchte ich dich dabei begleiten, aus diesen Erkenntnissen hilfreiche Strategien und konkrete Schritte zu entwickeln – für einen Alltag, der besser zu dir passt, und ein Leben mit mehr Balance.
Ich hab deine Interesse geweckt und du willst mehr darüber erfahren. Buch dir gern ein kostenfreies Kennenlerngespräch.
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Wie zeigt sich ADHS im Erwachsenenalter?
Mit zunehmendem Alter verändern sich häufig die Ausdrucksformen der Symptome.
Manche Schwierigkeiten werden weniger sichtbar. Andere treten stärker in den Vordergrund.
Typische Merkmale können sein:
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Innere Unruhe und ein ständig aktiver Kopf: Es fällt schwer, gedanklich zur Ruhe zu kommen oder einfach einmal nichts zu tun.
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Starker Redefluss: Gedanken werden schnell ausgesprochen, Gespräche springen zwischen Themen und andere werden manchmal unbeabsichtigt unterbrochen.
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Impulsivität: Entscheidungen, Reaktionen oder Aussagen passieren manchmal schneller, als ihre Konsequenzen überblickt werden können.
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Vergesslichkeit: Termine, Gegenstände, Verabredungen oder kleine Verpflichtungen geraten aus dem Blick.
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Prokrastination: Aufgaben werden aufgeschoben, obwohl sie wichtig sind und das Aufschieben selbst zunehmend Stress verursacht.
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Schwierigkeiten mit Prioritäten: Alles erscheint gleichzeitig wichtig oder interessant. Es fällt schwer, zu entscheiden, womit begonnen werden soll.
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Zeitmanagement: Zeit wird unterschätzt, Deadlines rücken überraschend nahe und Vorbereitungen dauern länger als geplant.
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Detailverliebtheit: Man verliert sich so sehr in Einzelheiten, dass das eigentliche Ziel aus dem Blick gerät.
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Suche nach Abwechslung: Routine kann schnell langweilig werden. Neue Herausforderungen und intensive Erlebnisse wirken möglicherweise besonders anziehend.
Nicht alle diese Merkmale gehören zu den diagnostischen Kernkriterien. Und längst nicht jeder Mensch mit ADHS erlebt sie gleichermaßen, alles zusammen oder n gleicher Intensität.
Entscheidend ist, ob überdauernde Symptome seit der Kindheit bestehen und den Alltag in verschiedenen Lebensbereichen beeinträchtigen.
ADHS bedeutet nicht, wenig Energie zu haben
Ein Punkt ist mir besonders wichtig:
Viele Menschen mit ADHS können unglaublich viel Energie haben.
Viele sind voller Tatendrang, haben ständig neue Ideen, lieben Herausforderungen und können andere mit ihrer Begeisterung anstecken.
Manche stemmen beruflich enorme Aufgaben, organisieren Projekte, sind kreativ, spontan und leistungsfähig.
Und trotzdem können bestimmte Dinge schwierig bleiben.
Vielleicht funktioniert der Beruf hervorragend, aber Beziehungen sind immer wieder kompliziert.
Vielleicht gelingt es dir, in Krisensituationen unglaublich schnell und lösungsorientiert zu reagieren, während dich gewöhnliche Verwaltungsaufgaben regelmäßig überfordern.
Vielleicht kannst du zehn Dinge gleichzeitig anstoßen, aber kaum eines davon in Ruhe abschließen.
ADHS bedeutet also nicht, grundsätzlich wenig leistungsfähig zu sein.
Oft ist vielmehr entscheidend, wie gut eine Aufgabe, eine Umgebung oder eine Lebenssituation zur eigenen Art der Aufmerksamkeits- und Selbststeuerung passt.
Hyperfokus: Wenn Konzentration plötzlich hervorragend funktioniert
„Ich kann doch gar kein ADHS haben. Wenn mich etwas interessiert, kann ich mich stundenlang konzentrieren.“
Diesen vermeintlichen Widerspruch erleben viele Menschen.
Doch bei ADHS geht es nicht darum, grundsätzlich unfähig zu sein, sich zu konzentrieren.
Schwierig kann vielmehr sein, die Aufmerksamkeit bewusst zu lenken, aufrechtzuerhalten oder wieder von einer Tätigkeit zu lösen.
Manche Menschen mit ADHS erleben einen sogenannten Hyperfokus.
Sie tauchen vollkommen in ein Thema ein, vergessen die Zeit und beschäftigen sich über Stunden intensiv mit etwas, das sie begeistert. Das kann eine echte Stärke sein.
Gerade im Beruf macht es möglicherweise einen großen Unterschied, ob jemand seine Interessen und Leidenschaften ausleben kann. Wer für seine Arbeit brennt, findet vielleicht immer wieder neue Herausforderungen, entwickelt kreative Lösungen und kann sich mit großer Ausdauer in komplexe Themen vertiefen.
Anders kann es aussehen, wenn der Berufsalltag überwiegend aus wenig interessanten, wiederkehrenden oder stark fremdbestimmten Aufgaben besteht. Dann können selbst einfache Tätigkeiten unglaublich viel Überwindung und Energie kosten.
Zwei Menschen mit ADHS können deshalb beruflich vollkommen unterschiedliche Erfahrungen machen.
Während der eine in seiner beruflichen Leidenschaft aufgeht, kämpft der andere täglich damit, Aufmerksamkeit und Motivation auf Aufgaben zu richten, die ihn kaum ansprechen.
Wenn Anpassung und Perfektionismus zum Dauerprogramm werden
Viele Erwachsene mit ADHS haben über Jahre Strategien entwickelt, um Schwierigkeiten auszugleichen.
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Sie schreiben Listen.
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Sie stellen Erinnerungen ein.
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Sie kontrollieren alles doppelt.
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Sie bereiten Gespräche besonders gründlich vor.
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Sie arbeiten länger.
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Sie versuchen, sich noch besser zu konzentrieren, noch zuverlässiger zu werden und bloß nichts zu vergessen.
Von außen kann das aussehen wie besondere Disziplin, Perfektionismus oder ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein.
Aber vielleicht steckt hinter diesem Verhalten auch die Sorge, wieder einen Fehler zu machen, etwas zu übersehen oder Erwartungen nicht zu erfüllen.
Was nach außen mühelos wirkt, kann das Ergebnis jahrelanger Anpassung sein.
Und diese Strategien können lange erstaunlich gut funktionieren.
Bis das Leben sich verändert.
Infobox:
Wie wird ADHS bei Erwachsene diagnostiziert?
ADHS-Diagnostik nach DSM-5 – kurz erklärt
Das DSM-5 ist ein international anerkanntes Diagnosehandbuch für psychische Störungen. Es berücksichtigt, dass sich ADHS im Erwachsenenalter anders zeigen kann als in der Kindheit.
Die drei Leitsymptome von ADHS sind Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.
Für die Diagnostik fasst das DSM-5 diese in zwei Symptomgruppen zusammen:
Daraus ergeben sich drei Präsentationsformen:
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Vorwiegend unaufmerksam
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Vorwiegend hyperaktiv-impulsiv
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Kombiniert
Eine fundierte Diagnose erfordert immer eine umfassende fachliche Abklärung.
Unaufmerksamkeit:
Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit gezielt zu steuern und über längere Zeit aufrechtzuerhalten.
Betroffene lassen sich leicht ablenken, vergessen Termine oder Verpflichtungen, verlieren häufig Gegenstände oder übersehen wichtige Details.
Aufgaben zu strukturieren, Prioritäten zu setzen und Angefangenes zu Ende zu bringen, kann schwerfallen.
Besonders bei wenig interessanten oder länger andauernden Tätigkeiten fällt es oft schwer, konzentriert zu bleiben.
Gleichzeitig kann bei spannenden Themen eine außergewöhnlich intensive Konzentration entstehen.
Hyperaktivität und Impulsivität:
Hyperaktivität zeigt sich nicht immer durch sichtbaren Bewegungsdrang. Gerade im Erwachsenenalter kann sie als starke innere Unruhe, ständiges Beschäftigtsein oder das Gefühl, dauerhaft unter Strom zu stehen, erlebt werden. Manche Menschen haben einen ausgeprägten Rededrang, sprechen schnell und viel oder unterbrechen andere, weil ihre Gedanken sofort ausgesprochen werden wollen. Impulsivität kann sich durch vorschnelle Antworten, spontane Entscheidungen, Ungeduld oder Schwierigkeiten beim Abwarten zeigen. Oft fällt es schwer, innezuhalten, bevor man reagiert.
ADHS und Beziehungen: Wenn die Herausforderung besonders anziehend ist
Nicht immer zeigt sich die größte Belastung im Beruf oder in der Organisation des Alltags.
Manchmal sind es Beziehungen.
Vielleicht kennst du das Gefühl, dass dich Menschen besonders faszinieren, die schwer erreichbar sind.
Jemand, bei dem nie ganz klar ist, woran du bist.
Jemand, dessen Aufmerksamkeit du dir immer wieder neu verdienen musst.
Jemand, der Nähe zulässt und sich dann wieder zurückzieht.
Das kann eine intensive Dynamik entstehen lassen.
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Hoffnung.
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Spannung.
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Unsicherheit.
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Ein kleiner Moment der Bestätigung.
Und plötzlich ist wieder ganz viel Energie da, um diesen Menschen doch noch für sich zu gewinnen.
Bei manchen Menschen mit ADHS können Neuheit, emotionale Intensität und die Aussicht auf Belohnung besonders anziehend wirken. Auch impulsive Reaktionen oder Schwierigkeiten mit der Emotionsregulation können Beziehungen beeinflussen.
Das Wechselspiel aus Unsicherheit, Hoffnung und gelegentlicher Bestätigung kann sich dann besonders aufregend anfühlen.
Aber ist diese Intensität tatsächlich ein Zeichen dafür, dass die Beziehung guttut?
Oder wird möglicherweise die Herausforderung selbst zum Antrieb?
Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Denn nicht jede intensive Beziehung ist eine erfüllende Beziehung.
Und nicht jedes Kribbeln bedeutet Verbundenheit.
Wichtig ist mir dabei: Die wiederholte Wahl emotional unerreichbarer Partner ist kein typisches Diagnosemerkmal von ADHS. Solche Beziehungsmuster können viele Ursachen haben, beispielsweise frühere Beziehungserfahrungen, Bindungsmuster oder ein belastetes Selbstwertgefühl.
Gerade deshalb finde ich es so wertvoll, gemeinsam zu betrachten, welche Dynamik hinter einer Beziehung steht.
Suche ich Nähe und Verbundenheit – oder bin ich immer wieder damit beschäftigt, mir die Zuwendung eines anderen Menschen zu erarbeiten?
Warum du dich vielleicht schon immer anders gefühlt hast
Viele Erwachsene, die erst spät eine ADHS-Diagnose erhalten, beschreiben rückblickend ein ähnliches Gefühl:
„Irgendwie war ich schon immer anders.“
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Vielleicht warst du schon als Kind besonders lebhaft, gesprächig oder gedanklich ständig unterwegs.
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Vielleicht hast du vieles begonnen und wenig beendet.
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Vielleicht warst du voller Begeisterung, konntest dich aber kaum zu langweiligen Aufgaben aufraffen.
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Vielleicht hast du früh gelernt, deine Schwierigkeiten mit Humor zu überspielen oder dich besonders stark anzustrengen.
Und irgendwann sind daraus Überzeugungen über dich selbst entstanden:
„Ich bin chaotisch.“
„Ich bin undiszipliniert, zu faul.“
„Ich bin einfach zu viel.“
„Ich kann mich nie entscheiden.“
„Warum bekomme ich das nicht so hin wie andere?“
Solche Erfahrungen können den eigenen Selbstwert über Jahre prägen. Dabei beschreiben diese Sätze möglicherweise gar nicht, wer du bist. Sondern wie du gelernt hast, deine Schwierigkeiten zu bewerten.
Infobox:
ADHS und Neurodivergenz
- wenn ein Gehirn anders arbeitet
Was bedeutet eigentlich neurodivergent?
Nicht jedes Gehirn verarbeitet Informationen auf die gleiche Weise. Der Begriff Neurodivergenz beschreibt neurologische Funktionsweisen, die von dem abweichen, was als neurotypisch gilt. Dazu gehört auch ADHS.
Bei Menschen mit ADHS zeigen sich unter anderem Unterschiede in der Regulation von Aufmerksamkeit, Motivation, Impulsen und Verhalten.
Eine wichtige Rolle spielen dabei die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin sowie das Zusammenspiel verschiedener Gehirnnetzwerke.
Das kann im Alltag ganz unterschiedlich aussehen:
Aufmerksamkeit: Was begeistert, kann die Konzentration über Stunden fesseln. Bei wenig interessanten Aufgaben fällt es dagegen oft schwer, überhaupt anzufangen oder dranzubleiben.
Motivation und Belohnung: Neue Herausforderungen, spannende Ideen und unmittelbare Erfolgserlebnisse können besonders motivierend wirken. Routinen oder Aufgaben mit weit entferntem Ziel kosten dagegen möglicherweise viel Überwindung.
Selbststeuerung: Gedanken, Impulse und Ideen sind manchmal schneller da, als sie sortiert werden können. Prioritäten zu setzen, innezuhalten oder Aufgaben strukturiert abzuschließen, kann dadurch herausfordernd sein.
Anders bedeutet nicht automatisch schlechter. Aber eben auch nicht immer leichter.
Ein neurodivergentes Gehirn kann persönliche Stärken und besondere Interessen mitbringen – gleichzeitig können bestimmte Anforderungen im Alltag deutlich mehr Anstrengung erfordern.
Deshalb geht es nicht darum, sich noch mehr zusammenzureißen oder sich ständig an neurotypische Erwartungen anzupassen.
Vielmehr darum, die eigene Funktionsweise besser zu verstehen und Strategien zu entwickeln, die dazu passen.
Psychotherapie bei ADHS: Nicht noch mehr Anpassung, sondern hilfreiche Strategien
Eine ADHS-Diagnose kann vieles erklären. Warum manche Dinge schon immer schwergefallen sind, warum bestimmte Verhaltensweisen immer wieder auftauchen und weshalb der Alltag manchmal so viel Anstrengung kostet.
Das kann zu mehr Selbstmitgefühl und Verständnis führen.
Doch mit diesem Verständnis ist noch nicht automatisch alles leichter.
Denn viele Menschen mit ADHS haben über Jahre Strategien entwickelt, um ihre Schwierigkeiten auszugleichen. Manche Strategien sind hilfreich, andere können langfristig selbst zur Belastung werden.
Und häufig ist ADHS nicht das einzige Thema, das Menschen mit in die Therapie bringen.
Wenn ADHS von weiteren Belastungen begleitet wird
Bei Erwachsenen mit ADHS treten vergleichsweise häufig weitere psychische Erkrankungen auf. Fachlich spricht man von Komorbiditäten – also Erkrankungen, die zusätzlich zur ADHS bestehen.
Dazu gehören beispielsweise Angststörungen, Depressionen, Suchterkrankungen oder Essstörungen.
Auch der eigene Selbstwert kann über viele Jahre gelitten haben.
Wer immer wieder erlebt, dass etwas trotz großer Anstrengung nicht gelingt, wer häufig Kritik bekommt, sich falsch oder anders fühlt oder den Eindruck hat, nie genug zu leisten, entwickelt möglicherweise belastende Überzeugungen über sich selbst.
Solche Gedanken können tief verankert sein – selbst wenn die eigenen Fähigkeiten von außen ganz anders wahrgenommen werden.
Verstehen, was dahintersteckt – und neue Wege ausprobieren
In meiner psychotherapeutischen Arbeit geht es deshalb nicht nur darum, ADHS-Symptome besser zu verstehen.
Mich interessiert auch:
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Welche Strategien hast du im Laufe deines Lebens entwickelt? Welche helfen dir und welche kosten inzwischen mehr Energie, als sie dir geben?
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Wie gehst du mit dir selbst um? Welche Überzeugungen über dich hast du vielleicht über Jahre übernommen?
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Welche Funktion erfüllt dein Verhalten? Was versuchst du damit zu erreichen, zu vermeiden oder zu regulieren?
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Wie erlebst du Beziehungen? Welche Muster wiederholen sich und was wünschst du dir eigentlich?
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Welche konkreten Veränderungen könnten deinen Alltag erleichtern? Welche kleinen Schritte möchtest du ausprobieren?
Dabei arbeite ich unter anderem mit Elementen der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT).
Es geht darum, Gedanken und Gefühle besser wahrzunehmen, sich weniger in belastenden Mustern zu verstricken und hilfreiche, alltagstaugliche Strategien zu entwickeln.
Dazu kann gehören, die eigene Impulsivität besser zu regulieren, Grenzen wahrzunehmen, Aufgaben anders zu strukturieren, mit starken Emotionen umzugehen oder den eigenen Selbstwert zu stärken.
Bei zusätzlichen psychischen Erkrankungen oder ausgeprägten körperlichen Beschwerden kann eine ergänzende fachärztliche oder spezialisierte Behandlung wichtig sein.
Mein Ziel ist nicht, dass du noch besser darin wirst, dich anzupassen. Sondern dass du dich selbst besser verstehst, deine Stärken bewusster nutzen kannst und neue Handlungsmöglichkeiten entwickelst.
Damit dein Leben nicht nur funktioniert, sondern sich auch mehr nach deinem eigenen Leben anfühlt.
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